Andreas Mrosek, MdL Sachsen-Anhalt

Schulsystem in Sachsen-Anhalt, unter die Lupe genommen:

Derzeit herrscht in S.-Anhalt wie in der gesamten BRD das gegliederte Schulsystem. Das heißt, dass in den meisten Ländern nach einer vierjährigen Grundschule die Schüler in weiterführende Schulen gehen, die unterschiedliche Abschlüsse ermöglichen. Während in den meisten Bundesländern für den Zugang zum Gymnasium Leistungsvoraussetzungen erfüllt sein müssen, ist dies in SA nicht der Fall, hier entscheiden die Eltern, die Grundschule erstellt eine Empfehlung, die nicht bindend ist.

Derzeit entwickelt sich das Gymnasium zur Regelschule. In Dessau liegt die Übergangsquote zum Gymnasium für nächstes Schuljahr bei ca. 53%, landesweit wechseln rund 2300 Schüler mehr zum Gymnasium als im letzten Jahr. Aktuell werden an den Gymnasien SA mehr Schüler beschult als an den Sekundarschulen. Die Sekundarschulen verlieren im kommenden Schuljahr wieder Schüler, trotz steigender Gesamtschülerzahl.

Aufgrund der Lehrerknappheit werden massiv Stunden ausschließlich an der Sekundarschule gekürzt, die durch die Inklusion noch zusätzlich belastet ist. Das Gymnasium erhält keine Stundenkürzungen, da sonst die Anerkennung des Abiturs bundesweit gefährdet ist, Inklusion findet dort nur als einzelfall statt. Die Hauptarbeit zur Berufsvorbereitung, die nicht zum Studium führt, wird aber an den Sekundarschulen geleistet und ist durch die Stundenkürzungen im Förderbereich/ Poolbereich (z.B. Teilung von Lerngruppen für Technikunterricht) stark gefährdet.

Gerade Sekundarschulen, die die Hauptlast der Inklusionsarbeit leisten müssen, benötigen diese Stunden. Man benachteiligt also wiederum die, die schon benachteiligt sind, weil man nicht intergriert und inkludiert, sondern separiert.

Eine Schule für alle, von Vorschule bis Klasse 12 macht Sinn, wenn man Mittel und Finanzen aufbringt, dass sich jeder wiederfinden kann, jeder seinen Weg finden kann, genügend qualifiziertes Lehr-und Betreuungspersonal vorhanden ist, um allen leistungsförderne und leistungsentwickelnde Möglichkeiten zu bieten, so dass sich keiner ausgegrenzt fühlen muss. Keiner kann nach Klassenstufe 4 mit Gewissheit eine verlässliche Leistungsprognose abgeben, die ein Kind zum Gymnasiasten oder Nichtgymnasiasten stempelt. Das aber passiert und so findet statt Inklusion Separation statt und Schüler, die warum auch immer nicht am Gymnasium lernen werden herabgewürdigt und stigmatisiert.

Da die BRD die UN-Konvention zur Inklusion ratafiziert hat und fordert, dass gehndicapte Kinder an allgemeinbildenden Schulen zu inkludieren sind, dann erfordert die Stringenz dieses Gedankens die Abschaffung des gegliederten Schulsystems. Oder anders, die Ausgrenzung benachteiligter Menschen verbietet sich in unserer demokratisch strukturierten Gesellschaft, weil sie diskriminiert sind.
Mit welchem Recht findet dieselbe Diskriminierung dann in Schulstruktur statt? Heterogene Lerngruppen nutzen allen, das ist wissenschaftlich evident. Für die Sekundarschule werden sie im Zusammenhang mit der Inklusion gefordert und geschaffen und dieselbe Wahrheit macht vor dem Gymnasium halt? Das Gymnasium übrigens leidet gleichermaßen darunter, weil es sich derzeit noch als elitär versteht aber schon lange schlechtes Mittelmaß ist. Die erfolgreichen Schulsysteme der Welt fordern Leistung zuerst von allen und differenzieren äußerlich erst nach der Pubertät. Eine Schule für alle mit Möglichkeiten für jeden, nicht jeder muss studieren, aber man darf denen, die das nicht tun, warum auch immer, nicht von vornherein ein Gefühl der Zweitklassigkeit vermittel, indem man sie nach Klasse 4 zu Losern stempelt indem man sie schulformmäßig separiert, weil sie icht am Gymnasium sind. Das Gymnasium ist von gestern und die, die es verteidigen, sind es auch, zumindest im Sinne von Pädagogik und Psychologie.

Das Gymnasium leistet im LSA eine schlechte Arbeit, es kann unter diesen Bedingungen auch nicht anders, schau Sie sich an, wie viele es bis zum Abitur schaffen, wer dann noch studiert und dieses Studium dann auch schafft?

Alle Abiturienten, die nicht studieren sind x-mal schlechter auf einen Beruf vorbereitet als jeder 10. Klässler der Sekundarschule. Auch da findet eine Benachteiligung statt. Für Sekundarschüler keine Informatik, für Gymnasiasten kein Technik, keine Hauswirtschaft.